DBU-Förderprojekt

Modellhafte Umsetzung der Gemeinwohl-Bilanzierung

Im Zeitraum von Oktober 2013 – Dezember 2015 wurde die Gemeinwohl-Ökonomie im Rahmen des Förderprojektes „Modellhafte Umsetzung der ‚Gemeinwohl-Bilanzierung’ als zentrales Element des weiterentwickelten KMU-Nachhaltigkeitsmanagements“ fachlich und finanziell durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt.

Zielsetzung

Der gesellschaftliche Umbau zu einem ökologischen, fairen und sozialen Wirtschaftssystem ist nicht allein mit technologischen Lösungen zu stemmen, sondern bedarf eines tiefgreifenden kulturellen Wandels.

Die Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) entwickelte im Herbst 2010 gemeinsam mit Unternehmern die erste Version des Instruments der Gemeinwohl-Bilanz. Die Gemeinwohl-Bilanz ist als Weiterentwicklung von CSR- und Nachhaltigkeitsberichterstattung zu verstehen, deren Indikatoren den Ist-Zustand dokumentieren und mit Gemeinwohl-Punkten und Bewertungsschema einen Entwicklungsprozess konsistent beschreibbar und erstmals vergleichbar machen. Die Bilanz beruht auf den wesentlichen Grundwerten einer nachhaltigen Entwicklung und beantwortet einem Unternehmen die Frage: »Wie werden die Werte Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und demokratische Mitbestimmung in Beziehung zu meinen Anspruchsgruppen (Mitarbeiter, Lieferkette, Geldgeber, Produkt/Dienstleistung/Konsumenten, Mitunternehmen und dem weiteren gesellschaftlichen Umfeld) umgesetzt«.

Hauptziel des Förderprojektes war es, innerhalb von 24 Monaten 30 kleine und mittlere Unternehmen in der Modellregion für eine Gemeinwohl-Bilanzierung zu gewinnen, um somit insbesondere entsprechende Umweltentlastungseffekte zu erreichen.

Arbeitsschritte

In den Modellregionen Berlin und Hamburg wurden über die Förderperiode je 3 Bilanzierungszyklen durchgeführt. Ein Bilanzierungszyklus umfasste 4-8 Unternehmen, die in 5 moderierten Sitzungen alle 17 Indikatoren inhaltlich durcharbeiteten und in Nachbereitung für ihr Unternehmen beantworteten. Mit der Methode der Peer-Evaluierung wurden abschließend die Selbsteinschätzungen der Unternehmen gegenseitig abgestimmt und von einem externen GWÖ-Auditor verifiziert.

Die Pionier-Unternehmen konnten danach in UnternehmerForen (Runder GWÖ-Regional-Tisch) regionale Herausforderungen und die Weiterentwicklung der Matrix mit den anderen relevanten AkteurInnen der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung diskutieren und bearbeiten.

In Hamburg und Berlin wurden zwei Regionalkoordinationsstellen in Teilzeit geschaffen, um das ehrenamtliche Engagement in der Region zu verknüpfen und zu begleiten sowie professionelle Ansprechpartner in den Regionen bereitzustellen.

Für die Unternehmer aber auch für Konsumenten wurde die Beta-Version einer webgestützten, interaktiven Gemeinwohl-Unternehmenskooperationsplattform aufgebaut, die den Bilanzprozess vereinfacht, wichtige Inhalte und ortsspezifische Angaben zu den Gemeinwohl-Unternehmen sowie Best-Practice-Beispiele zu den Indikatoren der Gemeinwohl-Bilanz abrufbar bereitstellt.

Ergebisse

Innerhalb der Projektlaufzeit wurden insgesamt 33 Unternehmen für die Durchführung einer Gemeinwohl-Bilanzierung gewonnen. Damit ist die wichtigste quantitative Zielmarke des Förderprojektes erreicht worden, auch wenn eines der Unternehmen den Bilanzierungsprozess abgebrochen hat und drei weitere ihn aus betriebsinternen Gründen unterbrechen mussten und erst später fortsetzen können.

Dieser Projekt-Erfolg wird neben vielen weiteren das Gemeinwohl betreffenden Wirkungen kurz-, mittelund langfristig erhebliche Umweltentlastungseffekte mit sich bringen. Denn erstens beziehen sich sechs von siebzehn Indikatoren der Gemeinwohl-Matrix direkt auf Aspekte der Nachhaltigkeit:

  • Indikator A1: Ethisches Beschaffungsmanagement
  • Indikator C3: Förderung ökologischen Verhaltens der Mitarbeiter
  • Indikator D3: Ökologische Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen
  • Indikator D5: Erhöhung der sozialen und ökologischen Branchenstandarts
  • Indikator E1: Sinn und gesellschaftliche Wirkung der Produkte/Dienstleistungen
  • Indikator E3: Reduktion ökologischer Auswirkungen

Und zweitens haben sich die teilnehmenden Unternehmen freiwillig verpflichtet haben, ihre selbstgesteckten Gemeinwohl-Ziele zu erreichen und den Gemeinwohl-Bericht zu veröffentlichen. Die Erreichung dieser Ziele wird alle zwei Jahre im Rahmen einer erneuten Bilanzierung geprüft.

DBU